Eugen Kaiser, ein verfolgter SPD-Politiker, wurde vor 70 Jahren von den Nazis ermordet

Die Hanauer SPD gedenkt des ehemaligen Landrats des preußischen Landkreises Hanau und Reichstagsabgeordneten Eugen Kaiser. Vermutlich am 4. April 1945 starb der 65-jährige Eugen Kaiser an den Folgen von Haft und Misshandlungen auf dem Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Dachau. Die genauen Todesumstände sind bis heute nicht bekannt.

Eugen Kaiser kam 1879 in Cleversulzbach bei Heilbronn zur Welt. Sein kleinbürgerliches Elternhaus ermöglichte ihm den Besuch der Volksschule, anschließend absolvierte er von 1893 bis 1896 eine Gartenbaulehre in Neckarsulm. Als Gärtnergehilfe arbeitete er bis 1906.

In die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) trat Eugen Kaiser bereits im Alter von 19 Jahren ein. Ab 1906 bis 1910 übernahm er die Gauleitung des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins, einer freigewerkschaftlichen Organisation. Am 1. Juni 1910 wurde Eugen Kaiser Arbeitersekretär in Frankfurt am Main.
Am 1. April 1919 wurde Kaiser Stadtverordneter in Frankfurt am Main. Zur gleichen Zeit amtierte er auch als Vorsitzender der SPD zu Groß-Frankfurt am Main. Bei der Reichstagswahl vom Juni 1920 wurde Kaiser in den ersten Reichstag der Weimarer Republik gewählt, dem er bis zur Wahl vom Mai 1924 als Vertreter des Wahlkreises 21 (Hessen-Nassau) angehörte. Ab 1922 war Eugen Kaiser Landrat des preußischen Landkreises Hanau.

Eugen Kaiser war ein Mann, der sich Zeit seines politischen Lebens für die Belange der einfachen Menschen einsetzte. Schon früh bildete er sich im Bereich Arbeitsrecht fort. In seiner Zeit als Arbeitersekretär setzte er sich dann aktiv für die Belange der Arbeiterbewegung ein. In seiner 11-jährigen Zeit als Landrat engagierte sich Eugen Kaiser für viele soziale und wirtschaftliche Einrichtungen, er förderte vor allem den Bau von Schulen und Wohnungen und auch den Ausbau von Gas-, Wasser- und Stromleitungen. Auch bei seinen politischen Gegnern erwarb sich Eugen Kaiser mit seiner Arbeit einen guten Ruf.

Bereits am 28. Februar 1933 wurde Eugen Kaiser von den Nationalsozialisten aus seinem Amt als Landrat in den Ruhestand versetzt und dann als Ruhestandsbeamter entlassen. Ohne jegliche Pension lebte Eugen Kaiser verarmt mit seiner Familie in Frankfurt. Ein kleines Stück Land diente als einzige Lebensgrundlage mit den angebauten Kartoffeln und dem Gemüse. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er in der „Aktion Gitter“ von der Gestapo verhaftet und Mitte September ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er im April 1945 unter ungeklärten Umständen starb.
Die Hanauer SPD erinnert an den überzeugten Sozialdemokraten und dessen starkem sozialem Engagement für das er unter dem Nazi-Regime sein Leben lassen musste. Die Hanauer SPD wird Eugen Kaiser ein ehrendes Andenken bewahren.

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