„Hanau und seine Militärgeschichte“ SPD, Grüne, BfH und FDP treffen sich mit Margret Härtel und Jens Arndt zum konstruktiv-kritischen Austausch

Hanau befindet sich in einer ganz bedeutenden Phase seiner Geschichte. Die Stadt ist seit 2008 erstmals frei von Militär.

„Gerade deshalb muss dieses wichtige Element unserer Historie aufgearbeitet und das Wissen darum zugänglich zu machen,“ zu dieser gemeinsamen Schlussfolgerung gewannen Margret Härtel und Jens Arndt, die prominenten Köpfe des neu gegründeten Fördervereins für den Aufbau eines Dokumentationszentrums Hanauer Militärgeschichte, die Koalitionspartner von SPD, Grüne, BfH und FDP.

Die Koalitionäre hatten Härtel und Arndt zu einem Informationsaustausch eingeladen. Der Wunsch zum gemeinsamen Gespräch kam von den Koalitionsfraktionen. Die Fraktionsvorsitzenden Cornelia Gasche (SPD), Anja Zeller (Grüne), Oliver Rehbein (BfH) und Thomas Morlock (FDP) und ihre Fraktionskolleginnen und -kollegen hatten viele Fragen und ein großes Informationsinteresse: Militärgeschichte darf nicht isoliert dargestellt werden! Wie kann Militärgeschichte angemessen und zeitgemäß präsentiert werden, ohne einer Heroisierung Vorschub zu leisten? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Diese und mehr Themen wurden besprochen.

Eindrucksvoller Einstieg bot eine Präsentation von Jens Arndt, Mitglied des Hanauer Geschichtsvereins, der sich seit mehr als 30 Jahren mit der Militärgeschichte Hanaus und deren Einfluss auf die Gründung und Entwicklung der Stadt Hanau befasst. Er hat bereits mehrere Ausstellungen zum Thema kuratiert und Bücher geschrieben.

Arndt präsentierte viele Informationen in Wort und Bild. So verdeutlichte er, dass die militärhistorische Geschichte Hanaus bis in die Römerzeit mit Kastell und Zivilsiedlung in Kesselstadt zurückreicht und mit dem Abzug der US-Streitkräfte 2008 endete. Es entwickelte sich eine Stadt mit vielen Entwicklungspotenzialen. Arndt bezeichnete zugespitzt beispielsweise die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen in Hanau 1597 mit dem Bau der Befestigungsanlagen als den Beginn des ersten „Wedi“ (Stadtentwicklungsprozess) vor dem 30jährigen Krieg. Eine Entwicklung, die unser Stadtbild in seinem  Grundriss bis heute prägt. Der Kurpark Wilhelmsbad mit seiner beeindruckenden Anlage ist durch den Verleih hessischer Soldaten in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg finanziert worden und wurde demnach durch Geldleistungen durch Kriegsgeschäfte finanziert. Heute erleben wir die Anlage als ein Juwel unserer Stadt.

Militärische Präsenz war vielseitig, sie bedeutete Schutz für die Menschen, Entwicklung, kulturelle Bereicherung, wirtschaftlichen Wohlstand aber auch großes Leid und gipfelte in seinen negativen Auswirkungen – gesteuert von einer grausamen diktatorischen Philosophie der Weltherrschaft und des Rassenwahns durch das NS-Regime – in der Zerstörung Hanaus am 19. März 1945.

Gemeinsames Fazit am Ende eines hoch spannenden Abends: Die Militärgeschichte hat Hanau durch die Jahrhunderte maßgeblich beeinflusst. Sie ist Teil unserer Vergangenheit, die bis heute unsere Zukunft prägt. Deshalb sei ein Dokumentationszentrum ein geeignetes Format, um die Gegenwart zu erklären und das Wissen um diese Verbindung den künftigen Generationen zugänglich zu machen. Margret Härtel brachte es gegenüber den friedenspolitisch sehr sensiblen Gesprächspartnern auf den Punkt: Wir wollen den nachfolgenden Generationen auch deutlich machen, dass „Frieden nicht von selbst komme“.

Härtel und Arndt machten abschließend deutlich, dass der Förderverein, die beteiligten Protagonisten und ein Expertengremium unter Leitung von Martin Hoppe noch am Anfang ihrer konzeptionellen Arbeit stehen und sie sehr dankbar für das Angebot dieses Austausches, der kritischen und konstruktiven Unterstützung seien. Ein weiterer Austausch ist fest eingeplant.

SPD Hanau SPD Hanau
×
Menü